Hallo meine Lieben!
Oft fahre ich mit dem Rad durch die Wallanlagen. Besonders gern sause ich, von der Bibliothek kommend, den Hügel zum Wasser runter. Dieser Schwung hält an bis zu der kleinen Vorrichtung im Wasser rechter Hand. Ich glaube sie dient als Bühne. So habe ich bislang die linke Seite weniger beachtet. Neulich musste ich allerdings bremsen, denn ein japanisches Paar kam mir ins Gehege. Erkennbar hatten sie einen aufgeschlagenen Stadtführer in Händen und sahen mich nicht. Doch diese Situation brachte mich dazu, mich zu wundern, was sie wohl gelesen hatten. Dort steht schon seit Langem dieses Mahnmal aus einem verkohlten Baumstamm und Mauerresten und etwas weiter dahinter eine Männer Skulptur. Dieses Ensemble passt überhaupt nicht zusammen. Einzige Verbindung ist die Lidice Initiative Bremen. Ersteres ist dem Dorf Lidice gewidmet, das 1942 von den Nazis vernichtet wurde. Das heißt 173 Männer wurden ermordet, 198 Frauen und Kinder kamen ins KZ. Das Dorf wurde 1947 wieder aufgebaut. Das alles und mehr kann ich dort lesen. Wieso aber nun dieser Jüngling ebenfalls dort stehen muss, der für die Gefallenen der Division Gerstenberg und des Freicorps Caspari das Mahnmal bildet, bleibt mir verschlossen. Diese Soldaten haben 1919 die Bremer Räterepublik niedergeschlagen. Zwei Dinge fallen mir auf: Warum heißt es bei Soldaten, die getötet wurden, es seien Gefallene? Und was haben die Lidice-Getöteten –durch Nazis – mit einer linken, der Räterepublik, zu tun. Oder vertue ich mich? Geht es darum, dass die toten Soldaten dafür „gefallen“ sind, weil sie damals eine Linksregierung in Bremen verhindert haben? Ohne das japanische Paar hätte ich das Mahnmal nicht so eingehend wahrgenommen und auch keine Fragen dazu bekommen. Eure Dora