Bergfest im Viertel

Letzten Samstag schlurfte ich gemächlich den Ostertorsteinweg entlang. Die Sonne knallte auf die Dächer. Beim Frisör wurde vor dem Eingang gegrillt. Holladibolla, dachte ich bei mir, die sind ja keck. Zehn Meter weiter kam mir eine Frau mit Bratwurst in der Hand entgegen. Zehn Meter weiter wieder. Ich schaute mich um. Das Ganze hatte System. Überall waren Grills aufgebaut, auf dem Zeitungskiosk stand ein Musikerpaar, das Alpenhorn spielte. Bergfest! Endlich hat man die Baustelle als kulturelles Event entdeckt und entsprechend befeiert. Das Viertel vibrierte und ich nehme an, dass die Stadt es nun auch irgendwann mitbekommt - Baustellen sind tourismusfördernd, Baustellen sind ein wichtiger Meilenstein in Wirtschaftsförderung und internationalem Benchmarketing!

Eure nach Bratwurst riechende St-Pauline

2 Antworten zu “Bergfest im Viertel”

  1. nichtviertelfrau sagt:

    seit wochen verfolge ich eure baustellenlyrik und bin inzwischen ganz neidisch. ich habe zwar auch eine baustelle um die ecke, leider aber nicht im viertel. kein grill, kein bratwurstduft weit und breit. wie schön es sein kann, neben einer baustelle zu wohnen, habe ich erst von euch erfahren! dafür danke ich euch! vor meinem nächsten umzug werde ich mich von den behörden umfassend über geplante baustellen der nächsten jahre informieren. vielleicht kommt ja das viertel nochmal dran. dann ziehe ich da auch hin!

  2. st-pauline sagt:

    Liebe Nichtviertelfrau,

    was nicht ist, kann ja noch werden!

    Ich saß vorgestern übrigens mit meiner Kollegin im Büro, nicht im Viertel, sondern in der Innenstadt. Meine Kollegin wohnt aber wie ich im Viertel. Auf einmal kam Lärm durch das offene Fenster. Ich stutzte und meinte zu ihr: “Das klingt ja wie im Viertel!” Sie wußte sofort, was ich meinte, und wissend lachten wir beide auf. So hat sich der Baustellenlärm in unseren Synapsen verankert! Oder sollte ich sagen: Die Baustellenmusik?

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